Innere Achtsamkeit

Yoga als Weg zu persönlichem Wachstum

Oft werde ich gefragt, was denn Yoga überhaupt von Gymnastik unterscheidet – hier ein Aspekt aus der Yogapsychologie, der Antwort darauf gibt:

Die Übungen des Yoga haben die  Entwicklung einer inneren Achtsamkeit sich selbst gegenüber zum Ziel.
Erst durch diese innere Haltung kann dann auch eine Übung als yogisch bezeichnet werden.
Yoga ist ein Weg zu persönlichem Wachstum.

Die innere Achtsamkeit sich selbst gegenüber ist von grosser Bedeutung.
Dadurch dass ich meine Gedanken und Gefühle, z.B. während des Yogaübens, genauso aber auch im Alltag, beobachte, rücken sie in mein Bewusstsein.
Mir wird erstmal bewusst, wie ich mit mir umgehe! 

„Wenn ich in der Vorwärtsbeuge beispielsweise bemerke, wie verspannt oder verhärtet ich bin ist die gewohnte Reaktion sehr leicht eine negative Bewertung, ich ärgere mich, dass ich nicht flexibler bin, sehe zum Nachbarn, der die Übung vielleicht „besser“ kann.
Es ist bei der Yogaübung genauso wie im täglichen Leben: wenn ich eine Schwäche in mir entdecke, steigt leicht Bewertung oder Verachtung in mir auf.
Mit dem inneren Beobachter gelingt es nun, diese Haltung zu verlassen, statt dessen aus der Distanz zu schauen und festzustellen: Ich bin nicht die Grenze, die Schwäche – es ist ein Teil von mir, etwas das momentan zu mir gehört, aber mich nicht ausmacht.

Die konkrete Übung, meine Wahrnehmung und mich selbst immer weniger zu bewerten, ist eine Grundlage für das Üben von Nichtidentifikation und Leidenschaftslosigkeit auf dem Yogaweg.“

Diese innere Achtsamkeit ist uns nicht nur beim Ausüben von Asanas hilfreich,  auch unseren Alltag können wir besser meistern!
Um sich selbst ein Zeuge sein zu können, braucht man einen gewissen Abstand zu den Gedanken und Gefühlen, die tagtäglich pausenlos durch unser Gehirn strömen.  Wir können dies auch in einem Gespräch einsetzen, indem wir unsere Gedanken und Gefühle beobachten und aus der Rolle des Beobachters  einen Standpunkt einnehmen der nicht von persönlichen Gefühlen und Neigungen geprägt ist. Auch unsere Handlungen sollen nicht aus einem Impuls heraus ausgeführt werden – mit der innerenAchtsamkeit beobachten wir uns selbst und versuchen bewusster zu agieren.
Damit gelingt es immer öfter im Sinne des Yoga Handlungen in einer liebevollen und sorgenden Haltung auszuführen.

Diese Übung haben wir in der letzten Yogastunde gemacht, um den inneren Beobachter stärker ins Bewusstsein zu rücken:
„Eine Asana (in diesem Fall die Vorwärtsbeuge) mehrmals hintereinander einnehmen – verharren – herausgehen.
Dabei das Bewusstsein auf verschiedene Ebenen lenken:
1. Das Körperbewusstsein – Muskulatur – Spannungen aufbauen / lösen
2. Die Atmung – Wahrnehmen von Atemräumen, Atembewegungen
3. Geist – die Übung in der Vorstellung durchführen
4. Bewegungen des Geistes – Bilder, Gedanken, Erinnerungen betrachten
5. Gefühle und Stimmungen beobachten“

teilweise zitiert aus: Yoga und Psychologie – Persönliches Wachstum   und Risiken auf dem Übungsweg von Carsten Unger u. Katrin Hofmann-Unger


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